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20 Jahre weniger Lebenszeit

von Christine Reith

Menschen mit einer geistigen Behinderung leben in Deutschland im Schnitt 20 Jahre kürzer als der Rest der Bevölkerung. Das liegt nicht etwa am mangelnden Engagement ihrer Ärztinnen und Ärzte.  

Gründe finden sich vor allem in den strukturellen Bedingungen des Gesundheitssektors. Dazu zählen der enorme Zeitdruck in Praxen, fehlende Vergütungsmodelle für den höheren Aufwand oder die mangelnde Barrierefreiheit. Wie sich diese Versorgungslücke schließen lässt, das steht im Mittelpunkt des „Fachtags Inklusive Medizin“, zu dem der Zitronenfalter am Dienstag, 28. April 2026, nach Fulda einlädt. Ziel ist es, Fachpraxis, Wissenschaft und Politik zusammenzubringen – und konkrete Impulse für eine inklusivere Gesundheitsversorgung zu entwickeln.

Damit Menschen nicht durchs Raster fallen

„Dass Menschen mit Behinderung deutlich früher sterben, ist kein medizinisches, sondern ein strukturelles Problem“, sagt Sebastian Bönisch, Geschäftsführer bei antonius. „Viele Praxen leisten bereits sehr viel – aber die Rahmenbedingungen reichen oft nicht aus, um den besonderen Bedarfen gerecht zu werden. Genau hier müssen wir ansetzen.“ Mit dem Aufbau eines Medizinischen Zentrums für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) hat antonius bereits einen wichtigen Schritt unternommen. Perspektivisch soll in Fulda ein Gesundheitszentrum für Inklusive Medizin entstehen, das bestehende Versorgungsstrukturen ergänzt und gezielt weiterentwickelt. „Der Fachtag Inklusive Medizin ist ein wichtiger Schritt, um Fachleute für das Thema zu gewinnen und gemeinsam politische Forderungen und Lösungswege zu entwickeln, damit Menschen nicht durchs Raster fallen“, betont Sebastian Bönisch.

Der Fachtag Inklusive Medizin findet in Kooperation mit renommierten Partnern am Dienstag, 28. April 2026, von 8.30 Uhr bis 16 Uhr in der antonius Festscheune (An St. Kathrin 4, 36041 Fulda) statt. Das Programm bringt namhafte wissenschaftliche Expertise und Impulse aus der Praxis zusammen. Referentinnen und Referenten wie Prof. Dr. med. Tanja Sappok vom Krankenhaus Mara in Bielefeld, Dr. med. Carlos Plappert vom Deutschen Herzzentrum der Charité Berlin oder Dr. med. Friederike Herms vom Sengelmann Institut für Medizin und Inklusion aus Hamburg beleuchten, wie inklusive Forschung, Ausbildung und Versorgung als Schlüssel zu echter Teilhabe dienen können. Fachvorträge vertiefen spezifische Themen wie die Gynäkologie bei Frauen mit Beeinträchtigung, moderne Epilepsietherapien bei Intelligenzminderung sowie innovative Ansätze zur Herzgesundheit und digitalen Prävention.

Was muss sich politisch ändern und was können wir vor Ort tun?

Der Fachtag setzt bewusst über die rein medizinische Perspektive hinaus an. Neben Fachvorträgen und Best-Practice-Beispielen stehen insbesondere gesundheitspolitische Fragen im Fokus: Welche strukturellen Veränderungen sind notwendig? Wie kann eine bessere Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung gelingen? Und welche Rolle spielen spezialisierte Angebote wie MZEBs künftig?

Eine Podiumsdiskussion widmet sich diesen Fragen mit Blick auf eine inklusive Gesundheitsversorgung im Jahr 2030. In einer begleitenden Zukunftswerkstatt erarbeiten die Teilnehmenden konkrete Ansätze und Forderungen – auch mit Blick auf die Region Fulda.

Breites Bündnis aus Praxis und Wissenschaft

Zu den Partner des Fachtags gehören neben der Universitätsklinik für Inklusive Medizin im Krankenhaus Mara in Bielefeld das Sengelmann Institut für Medizin und Inklusion in Hamburg sowie das Gesundheitsnetz Osthessen (GNO), das Klinikum Fulda, das Herz-Jesu-Krankenhaus, die Hochschule Fulda sowie weitere Organisationen.

Der Fachtag richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten sowie weitere Fachkräfte aus Praxen, Kliniken und Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens sowie Betroffene, Angehörige und Interessierte. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Um Anmeldung wird bis 24. April 2026 gebeten (Link). Die Landesärztekammer Hessen zertifiziert die Tagung mit bis zu vier Fortbildungspunkten.

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