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29 Absolventen starten mit Anlauf in ein neues Leben
von Alexander Gies
Mit Anlauf in ein neues Leben. Das ist das Versprechen, das die Arbeitsschule „Startbahn“ in Fulda ihren Schülerinnen und Schülern seit 20 Jahren gibt. Dieses Jubiläum wurde am Donnerstag, 25. Juni, mit einer großen „Abflugparty“ begangen: Dabei erhielten nicht nur 29 unheimlich stolze Absolventen feierlich ihre Abschlusszeugnisse, sondern im Anschluss sorgten die „Mambo Kingx“ noch bis in den Abend hinein für gute Stimmung.
Die Startbahn ist eine staatlich anerkannte Ersatzschule mit rund 100 Schülerinnen und Schülern und verfolgt ein deutschlandweit nahezu einmaliges Konzept: Sie gibt Jugendlichen mit Beeinträchtigungen nach der Hauptstufe drei Jahre Zeit, um ihre Stärken im Hinblick auf einen späteren Beruf zu entdecken und zu entwickeln. In dieser Zeit lernen die Schülerinnen und Schüler zunächst vier verschiedene Berufsfelder kennen und entscheiden sich dann für einen Bereich. Zur Auswahl stehen Gastronomie und Lebensmittelverarbeitung, Landwirtschaft und Gartenbau, Hauswirtschaft und Soziales sowie Handwerk und Lagerlogistik.
Nun überreichte Schulleiterin Claudia Müller-Elskamp den Absolventen ihre Zeugnisse und übergab sie damit symbolisch an ihre künftigen Chefs. Die jungen Menschen beginnen ihre Ausbildung nach den Sommerferien zum einen in verschiedenen Bereichen von antonius wie beispielsweise der Gärtnerei, der Landwirtschaft, der Schreinerei und Töpferei oder auch dem Klostercafé Flora und dem antonius-Laden. Viele zieht es aber auch hinaus zu verschiedenen Einsatzstellen im Landkreis. Dazu zählen die Fuldaer Stadtgärtnerei, die Bauhöfe der Gemeinden Flieden und Hofbieber, die Raiffeisen Waren Agrar, das DRK-Seniorenzentrum St. Lioba, das Alten- und Pflegeheim St. Josef oder das Theresienheim. Auch in einer Kindertagesstätte in Großenlüder oder dem Café Ideal in Fulda kommen Absolventen zum Einsatz. Damit ist gelungen, was die Schule sich seit 20 Jahren vornimmt: Die Jugendlichen im Laufe von drei Jahren so fit für den Arbeitsmarkt zu machen, dass sie eine Ausbildung oder eine sozialversicherungspflichtige Arbeit aufnehmen können.
Silke Gabrowitsch von der antonius-Geschäftsleitung erklärte, seit ihrer Gründung im Jahr 2006 habe die Arbeitsschule rund 450 junge Menschen auf ihrem Weg in die Arbeitswelt begleitet. Ein bemerkenswerter Anteil von etwa 25 Prozent schaffe im Anschluss direkt den Übergang in Ausbildung oder Beschäftigung. Dies unterstreicht nach Einschätzung von Gabrowitsch die Wirksamkeit des Konzepts, das gezielt Talente fördert und praxisnahe Übergänge ermöglicht.
Für das Staatliche Schulamt gratulierte Harald Persch. Er griff den Spontispruch „Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem“ auf und betonte, die Startbahn halte seit 20 Jahren genau diese Lösung in der Hand. Hier werde mit ganz viel Herzblut gearbeitet, lobte er. Mit Blick auf einen zweiten Spontispruch (Mein W-LAN ist stärker als mein Wille) sagte Persch, diese Aussage könne auf die Absolventen nicht zutreffen, sonst „wärt ihr heute nicht hier“.
Früher gab es an der Arbeitsschule Startbahn den Möglichmacher-Award. Dieser wurde an Unternehmer verliehen, die Jugendlichen eine Ausbildungsstelle zur Verfügung stellten und damit einen guten Start in ein selbständiges Leben ermöglichten. Zum 20. Jubiläum wurde der Preis quasi umgedreht: Diesmal erhielt der ehemalige Schüler Sebastian Mitrega den ersten Mutmacherpreis. Der 23-Jährige absolviert gerade eine dreijährige Ausbildung zum Helfer im Garten- und Landschaftsbau bei der Firma Peter Kümmel in Maberzell. Johannes Hohmann vom Unternehmernetzwerk Perspektiva betonte, Sebastian Mitrega sei ein Vorbild und ein Mutmacher für heutige Schüler der Startbahn. Denn der junge Petersberger habe sich in verschiedenen Berufsfeldern mit Ehrgeiz und Einsatz ausprobiert, bis er den für ihn passenden Ausbildungsberuf gefunden hatte. Sebastian Mitrega war im Bereich Lebensmittel und Service tätig, im Kloster, in einer Spedition und in einem Industriebetrieb, aber die Berufe wollten alle nicht so recht passen. Bis seine Lehrerin ihn auf ein Praktikum bei der Firma Kümmel aufmerksam machte. „Man kann es ja mal ausprobieren“, dachte sich Sebastian. Und er probierte es aus. Das war der Schlüssel zu einem Berufsweg, der Sebastian bis heute Freude bereitet. Im Herbst startet er in sein drittes Lehrjahr. Und auch sein Chef Christoph Kümmel lobt: „Wir sind froh, dass du bei uns bist“.
In Vertretung von Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld und Bürgermeister Dag Wehner (beide CDU) überbrachte Stadträtin Susanne Jobst die Glückwünsche der Stadt Fulda zum Schuljubiläum. Die 20 Jahre seien gut angefüllt gewesen mit Engagement, Mut, Lernbereitschaft und gelebter Gemeinschaft, sagte sie und wünschte weiter viel Erfolg und viele Menschen, die den Weg weiter mitgehen. Für die IHK gratulierte Hauptgeschäftsführer Michael Konow.
Passend zur Fußball-WM überbrachte Gertraud Sorg, viele Jahre lang Vorsitzende der Förderstiftung St. Antonius WM-Fußballbälle für die Schulgemeinde. Und auch für Schulleiterin Claudia Müller-Elskamp gab es eine Überraschung: Nach dem Auftritt des Schulchores, der sich extra zum Jubiläum gebildet hatte, bedankte sich das Kollegium bei ihr mit einem Blumenstrauß für ihr großes Engagement, viel Herzblut und Elan, die sie in die Schule stecke. Müller Elskamp gab das Lob gerne zurück: „Das funktioniert nur, weil ich Kollegen habe, die für die Sache brennen“.
Ausgelassen und glücklich feierten die Absvolenten mit Mitschülern, Vertretern von Unternehmern, Eltern und Geschwistern und vielen weiteren Gästen bis in den Abend hinein zur Musik von den „Mambo Kingx“. Und etwas Leckeres zu essen gab es auch.
Fotos: Ralph Leupolt
