Sergej Stintmann und sein Chef Jonas Gensler.

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Mit Ehrgeiz und Konzepten auf Erfolgskurs

Von Alexander Gies

„Meistens sehe ich selbst, was noch zu tun ist. Ich mache schon viel selbstständig.“ Sergej Stintmann (23) klingt ziemlich selbstbewusst, wenn er von seinem Praktikum bei der Elektrofirma Gensler in Poppenhausen erzählt. Dort möchte er eine Lehre zum Fachpraktiker beginnen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn in Perspektiva und seinem Chef Jonas Gensler hat er zwei wichtige Partner gefunden, die ihn auf diesem Weg begleiten werden.

Sergej Stintmann hat unter anderem die Brüder-Grimm-Schule in Fulda besucht, später die Arbeitsschule Startbahn bei antonius. An beiden Schulen sammelte er reichlich Praktika-Erfahrung. Ob in der Schreinerei von antonius, im Technischen Dienst oder in einem Hausmeister-Service. Danach wechselte er in den Berufsbildungsbereich, der von der Agentur für Arbeit in Fulda finanziert wird. Schon während seiner Startbahn-Zeit kristallisierte sich für den jungen Mann immer stärker heraus: „Ich will Elektriker werden.“ Daran gibt es für ihn bis heute keinen Zweifel. In anderen Ecken Deutschlands wäre er mit seinem Herzenswunsch womöglich auf taube Ohren gestoßen, nicht aber in Fulda: In Perspektiva und Jonas Gensler (50), dem Inhaber der Poppenhausener Firma Gensler Kälte Klima Elektro GmbH, fand er seine „Möglichmacher“. Gensler hat bereits einem Klienten von Perspektiva eine Ausbildung ermöglicht – und wurde nicht enttäuscht. „Dieser Kollege ist fast fertig mit der Lehre und hat lauter Einsen im Zeugnis. Ihn übernehmen wir natürlich gerne“, sagt Gensler. Und jetzt steht sozusagen Sergej vor der Tür.

Der junge Mann, der bei antonius in einer Wohngemeinschaft lebt, tut sich im schulischen Bereich etwas schwer mit dem Lernstoff. „Manchmal muss man ihm Sachen zweimal erklären. Aber er bringt einen ungeheuren Willen und Ehrgeiz mit“, lobt sein Chef. Das sei wichtig. Gensler, der auch im Prüfungsausschuss seiner Innung sitzt, weiß nur zu gut, wie viele Prüflinge mit einer Null-Bock-Einstellung vor ihm stehen. Davon hebe sich Sergej wohltuend ab. „Deshalb glaube ich, dass er es schaffen kann“, ist Gensler überzeugt. Derzeit absolviert Sergej Stintmann noch ein Praktikum bei Jonas Gensler. Im Herbst 2025 soll er eine Lehre zum Fachpraktiker Elektrotechnik – Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik beginnen.

Gefördert wird die Lehre über das Bundesprogramm „Budget für Ausbildung“, das für Menschen mit Behinderungen konzipiert wurde. Es übernimmt beispielsweise die Ausbildungsvergütung und stellt dem Azubi eine pädagogische Hiklfe zur Seite. Die Inhalte gleichen einer herkömmlichen Lehre, allerdings sind die Theoriebestandteile reduziert. Im Unterricht kann Sergej auf die Unterstützung eines Mitarbeiters von Perspektiva zählen, der mit ihm den theoretischen Stoff paukt und wiederholt, bis er sitzt. Und diese Kombination ist ein Schlüssel zum Erfolg: Die Förderung aus dem Bundesprogramm ist das eine, aber erst in der Zusammenarbeit mit Perspektiva wird ein schlüssiges Paket geschnürt, werden letzte Hürden aus dem Weg geräumt und eine dauerhafte Begleitung gewährleistet, die auch kritische Phasen überbrückt. Jonas Gensler jedenfalls ist überzeugt: „Ohne die Unterstützung von Perspektiva würde das nicht so gut klappen.“

Sergej Stintmann arbeitet unter der Aufsicht seiner erfahrenen Kollegen, die ihn gut und herzlich aufgenommen haben. „Das Praktische liegt mir“, sagt Sergej. Sein Chef beschreibt ihn als „geschickt, hilfsbereit und menschlich in Ordnung“. Es wäre eine vertane Chance, wenn Sergej die dreijährige Ausbildung nicht beginnen würde, denn er bringt eine wichtige Voraussetzung mit: Sergej will sein Leben selbst gestalten. „Man muss ja irgendwann mal anfangen mit dem Arbeiten und Geldverdienen. Man kann ja nicht nur rumlungern“, sagt er in unverblümter Offenheit.

Frank Pitzer, Sergejs pädagogischer Begleiter bei Perspektiva, weiß um den positiven Effekt, den ein erfolgreicher Abschluss für Sergej hätte: „Das würde seinem Selbstbewusstsein sehr guttun.“ Ein Gesellenbrief würde Sergejs Weg in die Selbständigkeit fördern, denn irgendwann will er alleine wohnen und seinen Führerschein machen. Und wer weiß: Vielleicht kann er ja eines Tages eine Familie gründen. Für den Traum von Selbständigkeit, Selbstbewusstsein und Glück lebt er und investiert seinen ganzen Ehrgeiz in sein berufliches Fortkommen – mit einem verständnisvollen Lehrherrn und Perspektiva an seiner Seite.

Foto: Arnulf Müller – antonius

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