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Ein großes Murmeln erfüllte die Klosterkirche

In einer Zeit, in der viele Menschen mit Sorgen und Unsicherheit leben, stellte der Hoch-Oben-Gottesdienst auf dem Frauenberg eine ebenso einfache wie tiefgehende Frage: Woher nehme ich Frieden für mein Herz? Zahlreiche Besucherinnen und Besucher kamen am Dienstagabend auf Einladung der Franziskaner und antonius in die Klosterkirche, um gemeinsam darüber nachzudenken, zu beten und sich auszutauschen.

Der Gottesdienst wurde von der Citypastoral der Innenstadtpfarrei gemeinsam mit antonius gestaltet und von Prof. Dr. Cornelius Roth zelebriert. An diesem Abend sollten die Besucher nicht nur zuhören, sondern selbst aktiv werden. So tauschten sie sich in kleinen sogenannten Murmelgruppen darüber aus, woraus sie den Frieden für ihr Herz schöpfen. Und tatsächlich erfüllte in diesem Augenblick ein lebhaftes Murmeln den gesamten Kirchenraum. Auch ein stilles, symbolisches Zeichen gehörte dazu: Aus einem zunächst leeren Blatt Papier faltete jeder während der Fürbitten Schritt für Schritt ein rotes Herz. Das war gar nicht so leicht, und nicht immer klappte das auf Anhieb. Trotzdem entstanden viele kleine Erinnerungsstücke, die vielfach zum Friedensgruß weiterverschenkt wurden.

Das Thema des Abends knüpft an das diesjährige Fastentuch an, das seit Aschermittwoch im Altarraum der Stadtpfarrkirche hängt. Die Frage „Woher nehme ich Frieden?“ hatte bereits im Jahr 2022 viele Menschen bewegt, damals noch unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine, sagte Referent Paul Kowalski. Das Grundmotiv bleibe unverändert, aber jetzt stelle sich die Frage, wie man vom äußeren zum inneren Frieden komme. Denn vier Jahre später sind weitere Konflikte hinzugekommen, das Gefühl von Sicherheit ist vielerorts brüchig geworden. Der Zusatz „für mein Herz“ lenkt deshalb den Blick auf den inneren Frieden. Auf das, was Menschen Halt gibt, wenn Gewohntes nicht mehr trägt.

Zu Beginn der Predigt teilten vier Menschen ihre persönlichen Gedanken dazu. Maryan Fetyan Faraj von antonius brachte es so auf den Punkt: „Frieden für mein Herz nehme ich im Lachen und im einfach Machen. Frieden bedeutet Freude und Freunde. Das ist mein Safe-Space, in dem ich zuhause bin.“ Für Schwester Santwana von den Dienerinnen der Armen ist die Quelle des Friedens ihr Glaube, antonius-Bewohnerin Monika Breitkopf schöpft Kraft aus Freundschaften und der Liebe, und Monika Moser aus der Innenstadtpfarrei sieht Frieden in der Natur, in guten Begegnungen und „wenn ich zur Ruhe komme“. Cornelius Roth betonte, nur wenn man selbst den Frieden in sich trage, könne man diesen auch weitergeben und teilen.

Die Fürbitten nahmen die Sorgen der Welt auf: den bedrohten Weltfrieden, die Getöteten und Geflüchteten, aber auch die Hoffnung auf Menschen, die Verantwortung für Frieden übernehmen. Ebenso wurde für den Frieden in Familien und im persönlichen Umfeld gebetet. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Chor „Zwischentöne“, begleitet von Klavier, Gitarre und Klarinette. Am Ende lud Franziskaner-Pater Cornelius die Besucher noch zu Begegnung und einem kleinen Imbiss auf die Terrasse ein. Viele blieben noch eine Weile – vielleicht auch, um das weiterzuführen, was an diesem Abend begonnen hatte: die Suche nach Frieden für das eigene Herz.

Fotos: Ralph Leupolt für antonius

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