„Ein Licht in die Welt tragen“: Großer Martinsumzug bei antonius

Von Christine Reith

Hunderte Kinder, Eltern und Großeltern sowie Menschen von antonius kamen in der Dämmerung zum traditionellen Sankt-Martins-Umzug im Innenhof von antonius zusammen. Und alle Kinder trugen schöne, zumeist selbstgebastelte Lampions voller Stolz vor sich her.

Es war eine quirlige, erwartungsvolle Atmosphäre, die sich im Innenhof einstellte, als Pater Thomas das erste Lied anstimmte. Und dann erzählte er von St. Martin. Der war Soldat und hatte bis ins Erwachsenenalter mit Gott „nichts am Hut“. Dann aber begegnete er Menschen, die ganz anders waren und ganz anders lebten als er. Und als er deren Not nicht nur sah, sondern sie sich zu Herzen nahm, wurde er ein anderer Mensch. „Wir verändern uns in der Begegnung“, sagte Pater Thomas und appellierte, auf das Gegenüber zuzugehen und den Kontakt zu suchen.

Knapp ein Dutzend Kinder der Kindertagesstätte ambinius hatte unter Anleitung ihrer Gruppenleiterin Alina Rothmann das St.-Martinsspiels einstudiert. Der sechsjährige Fabian war in die Rolle des Heiligen Martin geschlüpft, und seine Freunde stellten Bettler, Soldaten, arme Kinder und einen Knecht dar. Eine Vorleserin trug die Geschichte vor, während die Kinder ihre kleinen Rollen mit Leben erfüllten bis zu dem Punkt, an dem Martin dem Bettler begegnete, der auf einmal halbnackt und am ganzen Körper zitternd vor ihm stand. Mit ihm teilte er seinen Mantel – er hätte gerne den ganzen gegeben, aber dann wäre er womöglich selbst erfroren. In der Nacht träumte Martin von dieser Begegnung und sah Gott, der in die Rolle des Bettlers geschlüpft war. Am nächsten Morgen wachte er glücklich auf, besuchte zum ersten Mal eine Kirche und stellte später sein Leben in den Dienst Gottes. Auf das abschließende Martin-Lied hatten alle gewartet. Mit kräftiger Stimme wurde jede Strophe unterstützt.

Den Martinsumzug führte Alexandra Giebel als Martin hoch zu Ross an. Sie arbeitet bei antonius auf dem Frauenberg in der Näherei und ritt auf dem Quarter Horse „Tari“, der Anette Christen von den Fuldaischen Höfen bei Flieden gehört. Die Betreiberin eines Reitzentrums unterstützte bereits zum vierten Mal mit ihrem gutmütigen Vierbeiner das Martinsfest. Hinter St. Martin auf seinem Pferd schloss sich eine ziemlich lange Schlange von Kindern, Eltern und Großeltern an, die beim Singen der Martinslieder von einer Abordnung des Musikvereins Niesig begleitet wurde. Nach dem Rundparcours gab es in und vor der Festscheune für alle heißen Punsch und Martinsmänner aus der antonius Bäckerei, die schnell ihre hungrigen Abnehmer fanden.

Fotos: Viktor Wall

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