von Annika Vogel

„Gut, dass wir einander haben“

Am Dienstag, 12. Januar 2021, luden antonius und Franziskaner zum ersten gemeinsamen Hoch oben – Gottesdienst im neuen Jahr in die Klosterkirche am Frauenberg ein. Zelebriert wurde der Gottesdienst von Pater Thomas Ofm und Prof. Cornelius Roth. „Gut, dass wir einander haben“ – Wie die erste Zeile des Eingangslieds schon andeutete, stand der Gottesdienst unter dem Thema Gemeinsam anfangen. Ein neues Jahr hat begonnen, das wir gemeinsam beginnen und das durch die neue Führungsstruktur für antonius einen besonderen Anfang mit sich bringt.

So gestalteten der Stiftungsrat der Bürgerstiftung antonius : gemeinsam Mensch sowie die neuen Geschäftsführer der vier Schwestergesellschaften gemeinsam mit Mitarbeitern und Bewohnern ihrer Bereiche den Gottesdienst mit. Die Klosterkirche erstrahlte in bunten Farben: Blau für die antonius : gemeinsam leben gGmbH, Grün für die antonius : gemeinsam wachsen gGmbH, Rot für antonius : gemeinsam begegnen gGmbH und Gelb für die Perspektiva gGmbH. Denn auch in Zukunft werden die Schwestergesellschaften gemeinsam an der Vision der Bürgerstiftung arbeiten.

 

Predigt von Pater Thomas

„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern wecke in ihnen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Ein inzwischen ziemlich bekannt gewordenes Wort von Saint Exupery. Das erste Mal habe ich es geschenkt bekommen bei meiner Priesterweihe vor 32 Jahren. Wenn du eine Aufgabe/einen Weg anfängst, dann ist die Begeisterung dafür umso größer, je mehr du mit Verstand und Gefühl dich nach dem sehnst, wofür du dich entschieden hast.

Auch bei antonius fängt mit dem 1. Januar manches neu an – der neue Name weist darauf hin: Bürgerstiftung antonius : gemeinsam Mensch. Es geht – genauso wie beim Schiffbau und jedem anderen Projekt – natürlich nicht ohne ein Verteilen von Aufgaben und Beschaffen von Werkzeugen. Ich meine damit die Strukturen, die verändert wurden, um möglichst sinnvoll arbeiten zu können. Bei allen Projekten, was wir Menschen anpacken – privat, beruflich ehrenamtlich -, sind aber die wichtigsten Werkzeuge immer: wir selber. Bei uns Christen gibt es viele Gebete, die genau das beschreiben; ich denke z.B. an „Herr, mach mich zum Werkzeug deines Friedens…“ oder „Christus, du hast meine Hände, meine Füße, meine Stimme, um heute Menschen zu helfen“. Oft beschreibt die Bibel die faszinierende Erkenntnis, dass Gott Menschen in seinen Dienst nimmt und die merken selber erst viel später und im Rückblick, wie wichtig sie genau zu dieser Zeit an diesem Platz im Leben waren. Siehe: der ägyptische Josef, der am Ende erkennt, wie wunderbar Gott ihn geführt hatte. In der Medizin, heißen die benötigten Werkzeuge sinnigerweise auch Instrumente – wie die Musikinstrumente, die dann zu einem Orchester zusammenklingen.

Werkzeuge beschaffen und Aufgaben verteilen ist also nötig, aber womöglich nicht das Wichtigste. Hilfsmittel, Strukturen können sich verselbständigen, Menschen einengen, ihnen Druck machen, so dass sie im täglichen Stress den Durch-Blick verlieren, den Sinn und die Lust, und nur noch funktionieren. Darum ist es viel wichtiger, „die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer“ anzufachen, den Blick darauf zu lenken, wohin das alles führt, was die Motivation ist, wofür wir morgens aufstehen.

Die Gründerin von antonius, Frau Maria Rang beginnt ihre Stiftungsurkunde darum mit einer großen Vision: ihr Tun soll führen „Zur Ehre Gottes und zur Linderung der Not“. Dieses Ziel ist für Sie groß genug, um sich selber und seither ganz viele Menschen zu motivieren, bei antonius anzuheuern. Die antonius-Schiffbau-Crew steuert eine Gesellschaft an, die ALLEN Menschen, ausdrücklich denen mit Behinderung, gleiche Möglichkeiten bietet und niemanden ausschließt. Damit kann das antonius-Schiff ins Fahrwasser von Jesus Christus münden, der an den Anfang seines Wirkens die Ansage gestellt hat, dass die Zeit erfüllt ist, Gottes Reich nahe, und darum ein Umdenken und ein festes Vertrauen in seine Botschaft dran ist. Die Zeit ist erfüllt, die Zeit ist reif, worauf noch warten? Im Reich Gottes haben alle ihren Platz, ist jede wichtig und jeder hat Gaben und Talente auszubauen, einzubringen. Die Kleinen sind die eigentlich Großen, der Cent der armen Witwe mehr wert als der Tausender des Reichen – wer hätte denn das gedacht. Umdenken! Und dass ohne Gott, ohne die Liebe alles nichts ist, das ist der Kern der Botschaft von Jesus. Im Lukasevangelium entfaltet Jesus seine Stiftungsurkunde noch mit der Ansage: „Gott hat mich gesandt, damit ich den Armen eine Frohe Botschaft bringe, den Gefangenen die Entlassung  und den Blinden das Augenlicht, die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe“! „Zur Ehre Gottes und zur Linderung der Not“ schließt daran nahtlos an.

Gottes nichts und niemand ausschließende, sondern alle einschließende Liebe ist höchste Motivation. Wer so eine Liebe kennenlernt/fühlt oder sich nach ihr sehnt, fängt sozusagen „mit dem Schiffbau“ an. Geliebtes Leben ist so faszinierend wie das weite endlose Meer. Das ist kein Satz zum Wissen, sondern zum gemeinsam Entdecken! Was auch immer als Aufgabe gerade vor einer und einem jeden von uns liegt: Wenn du mit deinen Kollegen, Familienangehörigen, Vereinskameraden oder wem auch immer gemeinsam  drangehst ans Leben/ ans Wachsen/ ans Begegnen/ ans Arbeiten, dann träume von (fromm gesagt) dem Reich Gottes, von einer Welt, wo Leben geliebt, Not gelindert und niemand ausgeschlossen wird. Auch Jesus hat so angefangen

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