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"Jeder ist anders" bringt seit 20 Jahren die Region in Bewegung
von Christine Reith
„Wenn wir uns zum Kicken oder Bogenschießen treffen, ist es egal, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht. Es geht um den Spaß und die sportliche Betätigung!“ So beschreibt das Team von „Jeder ist anders – Inklusionssport Fulda“, was den Verein ausmacht: Eine lebendige Gemeinschaft, echtes Miteinander und Sport ganz ohne Leistungsdruck. Am 28. August 2026 feiert der Verein sein 20-jähriges Bestehen mit einem Vereinsfest und einer Disco auf Rollen.
„Sport verbindet“ ist das Motto des Fuldaer Vereins „Jeder ist anders – Inklusionssport Fulda“. Mit rund 250 Mitgliedern, 15 Trainerinnen und Trainern sowie aktuell acht Sportarten bringt er viel Bewegung in die Region Fulda. Neben Klassikern wie Fußball, Tischtennis und Badminton stehen Reha-Sport, Boccia, Darts, Voltigieren und Bogenschießen auf dem Programm. Jede Woche gibt es rund zwanzig Sportkurse und -gruppen. Genutzt werden dafür das Soccerfeld, der Park und die Turnhalle von antonius sowie Sportgelände von befreundeten Partnern wie der Pestalozzischule.
Vorbild für die Region
Seit genau zwei Jahrzehnten zeigt „Jeder ist anders“, wie Inklusion im Sport gelingt. Der Verein ist damit auch Vorbild, Ideengeber und Brückenbauer für viele andere Sportvereine. „Uns geht es darum, über den Sport unkompliziert Menschen zusammenzubringen – egal ob jung oder alt, Anfänger oder Profi, mit oder ohne Behinderung“, sagt Madita Bahr vom Leitungsteam. „Daraus wachsen echte Freundschaften und Berührungsängste werden abgebaut. Wer beim Sport erlebt, dass jeder Mensch anders ist, nimmt diese Offenheit auch mit in den Alltag, in die Schule oder in den Beruf.“
Ein Pionier für Inklusion im Sport
Angefangen hat alles 2006 mit einer Gruppe von zwölf Personen – darunter engagierte Eltern, Angehörige und Mitarbeitende von antonius. Sie wollten nachhaltig Begegnungen zwischen Menschen mit Behinderungen und den Fuldaer Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen. Diese Idee war beim 100. Jubiläum des damaligen „Antoniusheims“ geboren. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte auch die Vinzentinerin Schwester Goretti sowie Beate Kann und Gabriela Blachnik-Flohr, die heute noch als Schatzmeisterin und Schriftführerin im Verein aktiv sind.
Im Jahr 2011 kam ein Reha-Sportverein hinzu, 2017 wurden beide Initiativen zu einem gemeinsamen Inklusionssportverein zusammengeführt. „Seitdem wächst ‚Jeder ist anders‘ kontinuierlich“, berichtet Daniel Plappert, der schon seit dem Gründungsjahr aktiv dabei ist. „Wir haben immer mehr Mitglieder, immer mehr feste Partner und immer neue Ideen. Nicht mal bei Corona gab es eine Delle.“
Eine Herzensangelegenheit
Warum er selbst so viele Jahre sprichwörtlich am Ball geblieben ist? „Mir geht es um die Menschen im Verein. Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, ihre Offenheit, ihre Freude und ihre unterschiedlichen Fähigkeiten zu erleben und zu fördern“, zieht Daniel Plappert Bilanz.
Einer dieser Menschen ist Alexander Heck. Der 38-Jährige arbeitet im antonius LadenCafé und schlug schon als Kind mit seinen tischtennisbegeisterten Eltern erste Bälle. 2011 gründete sein Vater die Tischtennis-Mannschaft bei „Jeder ist anders“ und trainierte das Team über viele Jahre bis zu seinem frühen Tod. Die Nachfolge übernahm Mathis Wilhelm vom Partnerverein TTC Fulda-Maberzell. Immer häufiger trainierte antonius-Mitarbeiter Alexander Heck direkt in Maberzell, schaffte den Sprung ins Team und spielt dort heute erfolgreich in der 3. Kreisklasse: „Ich mache gerne bei Turnieren mit und mag es, wenn es um Medaillen geht. Ich habe schon einige Freundschaften über den Sport aufgebaut – und genau das macht es für mich aus.“ Daniel Plappert ordnet diesen Weg ein: „Die Geschichte von Alex zeigt, dass viele externe Vereine offen sind für Menschen mit Behinderung, wenn es erst einmal Berührungspunkte gibt.“
Jährliche Highlights: Fulda Cup und Boccia Night
Zwei Mal im Jahr stehen beim Inklusionssportverein besondere Events auf dem Programm: Das große Fußballturnier „Fulda Cup“, bei dem zuletzt 300 Jugendliche aus 13 Schulen zusammen mit Menschen von antonius um einen Fairplay-Pokal kickten. Und die „Boccia Night“, bei der rund ein Dutzend Teams gemeinsam die Kugeln rollen lassen. „Die Boccia Night ist ein besonders gelungenes Beispiel für Inklusion im Sport und dafür, dass Sport verbindet. Teilnehmerinnen und Teilnehmer von antonius, aber auch Freunde, Nachbarn und Familien aus Fulda und der Umgebung nehmen ganz selbstverständlich teil. Es ist immer eine tolle Stimmung mit spannenden Matches“, sagt Isabell Vogler vom Leitungsteam.
Jede und jeder ist willkommen
Laut der UN-Behindertenrechtskonvention soll Sport allen Menschen offenstehen. Doch nur ein Bruchteil der Sportvereine in Deutschland bietet Angebote für Menschen mit Behinderungen. Beim Fuldaer Inklusionssportverein ist das anders: Von Beginn an steht der Verein allen Menschen offen.
Diese Haltung spiegelt sich auch in der Führung wider: Sowohl die Vereinsarbeit als auch der Vorstand sind inklusiv aufgestellt. Das Leitungsteam bilden aktuell Madita Bahr, Daniel Plappert und Isabell Vogler. Zum Vorstand gehören außerdem Christian Strunz, Daniel Fritz, Magdalena Kalb, Beate Kann und Gabriela Blachnik-Flohr.
Um ein vielfältiges Training anzubieten und Inklusion voranzubringen, setzt der Verein auf starke Netzwerke. Zu den Kooperationspartnern gehören die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz, die Fuldaer Turnerschaft 1848, die SG Johannesberg, die Dom Skater Fulda, die Boulodromedare Fulda, der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell sowie der Hochschulsport der Hochschule Fulda. Zudem ist der Verein fest im Sportkreis Fulda-Hünfeld verankert.
Vereinsfest am 28. August 2026
Auf den Tag genau 20 Jahre nach der Gründung feiert der Verein am Freitag, 28. August 2026, ab 17 Uhr sein Jubiläum im Innenhof von antonius (An St. Kathrin 4, 36041 Fulda). Auf das Programm mit Mitgliederehrungen, Live-Musik der Newcomer-Band „Vivid“, Burgern und Getränken folgt ab 19 Uhr ein besonderes Highlight: Gemeinsam mit den Dom Skatern Fulda lädt der Verein zu einer Disco auf Rollen ein. Egal ob Inlineskates, Rollstühle, Rollatoren, Skateboards, Fahrräder oder Dreiräder – willkommen ist alles, was rollt. Für den Sound sorgt DJ Donker (Jakob Lonnendonker), der bei antonius lebt und arbeitet.
Und ein weiterer Termin im Jubiläumsjahr steht bereits fest: Am Samstag, 24. Oktober 2026, findet die alljährliche „Boccia Night“ im Sportzentrum Johannesberg statt.
Fotos: Jeder ist anders – Inklusionssport Fulda e.V. / Ralph Leupolt
