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„Viele Menschen haben den Boden für neue Chancen bereitet“
von Annika Buchspies
Aus einer gemeinsamen Vision wird Schritt für Schritt Realität: Bei einer Feierstunde am Freitag, 25. September 2026, auf dem Gelände der zukünftigen Bio-Gemüsegärtnerei in Haimbach hat die St. Antonius-Stiftung Spenden in Höhe von 740.000 Euro übergeben. Damit findet das neunte Stiftungsprojekt gemeinsam er:wachsen seinen erfolgreichen Abschluss. Im Anschluss an den offiziellen Teil hatten Interessierte außerdem die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen der zukünftigen Gemüsegärtnerei zu werfen.
Über mehrere Jahre hatte die Stiftung Spenden gesammelt, um 15 Arbeitsplätze für Menschen mit einem besonders hohen Unterstützungsbedarf zu schaffen, für die es bislang keine Angebote gibt. Diese sollen in der neuen Bio-Gemüsegärtnerei entstehen. „740.000 Euro sind weit mehr als eine beeindruckende Spendensumme. Jede Spende drückt Vertrauen und eine große Verbundenheit mit unserem Projekt aus. Ihnen allen gilt unser großer Dank. Gemeinsam haben wir den Boden dafür bereitet, dass aus einer Idee nun Wirklichkeit werden kann“, sagte Dr. Wolfram Geiger, Vorsitzender der St. Antonius-Stiftung.
Auch der Anbau ist auf Wachstum ausgelegt: Geplant sind 4.320 Quadratmeter Gewächshausfläche sowie ein 300 Quadratmeter großes Jungpflanzenhaus. Jährlich sollen dort unter anderem rund 50 Tonnen Tomaten, 22 Tonnen Mini-Gurken und 22.000 Schlangengurken erzeugt werden. Die Produkte stehen dabei für vier Alleinstellungsmerkmale: lokal, bio, transparent und gemeinsam.
Ein Ort für Teilhabe, Arbeit und nachhaltiges Wirtschaften
Mit der Bio-Gemüsegärtnerei knüpft antonius an eine lange Tradition an. Bereits die Gründerin Maria Rang verband den Gemüsebau mit der Idee, dass Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam sinnstiftend arbeiten und etwas Wertvolles für die Gemeinschaft schaffen. Diese Idee wird in Haimbach für die Arbeitswelt von heute weiterentwickelt.
Die Gärtnerei soll zeigen, wie soziale Teilhabe, wirtschaftliches Arbeiten und Verantwortung für Mensch und Umwelt miteinander verbunden werden können. Neben neuen Arbeitsmöglichkeiten entstehen hochwertige Bio-Lebensmittel für Fulda und die Region. Ulrich Schmitt, Mitglied der Geschäftsleitung von antonius, betonte: „Was Maria Rang vor fast 125 Jahren gesät hat, trägt bis heute. Mit der Bio-Gemüsegärtnerei führen wir nicht nur eine Tradition weiter, wir bringen den Gemüseanbau in die Zukunft. Wir schaffen einen Ort, an dem Menschen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen ihre Fähigkeiten einbringen können. Gleichzeitig wollen wir zeigen, dass Teilhabe, wirtschaftlicher Erfolg und Verantwortung für Mensch und Umwelt zusammengehören können.“
Während Arbeitsmöglichkeiten in sogenannten grünen Berufen in der Behindertenhilfe andernorts teilweise zurückgehen, entscheidet sich antonius bewusst für die Weiterentwicklung des Gemüsebaus. Die neue Gärtnerei soll dabei mehr sein als ein Produktionsort. „Wir bauen hier nicht einfach eine neue Gemüsegärtnerei. Wir schaffen einen Arbeitsort, an dem Menschen unmittelbar erleben können, welchen Wert ihre Arbeit hat und was sie gemeinsam hervorbringen. Gute Arbeit, gute Lebensmittel und gelebte Gemeinschaft kommen hier ganz konkret zusammen“, erklärte Janina Goldbach, Projektleiterin der Bio-Gemüsegärtnerei.
„Der Boden, auf dem Zukunft wächst“
Vor der zukünftigen Gärtnerei waren 15 Zinkeimer vorbereitet – stellvertretend für die 15 neuen Arbeitsplätze für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf. Jeder Zinkeimer stand für einen „Nährstoff“, der zum Gelingen des Projekts beigetragen hat: darunter Erfahrung, Vision, Vertrauen, Mut, Talente, Teilhabe, Gemeinschaft, Partnerschaft, Engagement, Spenden, Arbeit, Verantwortung, Nachhaltigkeit, Region und Zukunft. Vertreterinnen und Vertreter aus Gesellschaft, Politik, Kirche, Landwirtschaft sowie Unterstützerinnen und Unterstützer des Projekts brachten die mit diesen Begriffen verbundene Muttererde gemeinsam in ein vorbereitetes Pflanzbeet ein. Anschließend wurden 15 Setzlinge gepflanzt.
Auch Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld zeigte sich dankbar für das Projekt: „Ich bin dankbar und froh, dass aus der Vision Wirklichkeit wird. Jeder Mensch hat Talente – und unsere Stadt profitiert davon, wenn Menschen die Möglichkeit bekommen, diese einzubringen. Durch Arbeit entsteht etwas, das nicht nur den künftigen Beschäftigten, sondern Fulda und der gesamten Region zugute kommt.“
Zum Abschluss des offiziellen Teils wurde als symbolisches Zeichen des Dankes an die vielen Unterstützerinnen und Unterstützer eine große Tomate mit dem Wort „Danke!“ von Lioba Wingenfeld, Stellvertretende Vorsitzende der St. Antonius-Stiftung, an die Verantwortlichen der zukünftigen Bio-Gemüsegärtnerei übergeben. „Der Tag ist für uns sehr emotional. Seit dem Beginn des Spendenprojekts ist im Verborgenen viel gewachsen. Die Höhe der Spendensumme hat uns alle überwältigt. Wir sind allen Spenderinnen und Spendern zutiefst dankbar.“
Mit dem Abschluss des Stiftungsprojekts ist der Boden für den nächsten Schritt bereitet: In Haimbach entsteht nun ein Ort, an dem Arbeit, Teilhabe und Gemeinschaft neue Chancen wachsen lassen – und voraussichtlich in Kalenderwoche 12 des Jahres 2027 werden dann auch die ersten Pflanzen in die neue Bio-Gemüsegärtnerei einziehen.
